Was soll das?

Gesellschaftsspiele. 2013 gab es ungefähr 800 Neuheiten. Ganz schön viel, was? Im Videospielsektor lacht man sich über so eine Zahl jedoch kaputt, ebenso wie über die Auflagen- und Umsatzzahlen. Gesellschaftsspiele fristen vergleichsweise ein Nischendasein. Dennoch steigert sich die Zahl der Neuheiten von Jahr zu Jahr. Ein Markt ist also da. Im Fachhandel und übers Internet ist dieses Angebot fast überall verfügbar. Doch wer soll da noch den Überblick behalten? Ende der 80er, Anfang der 90er waren die Zuwächse überschaubar. Wer es wirklich wollte, hätte alle Neuheiten innerhalb eines Jahres ausprobieren können. Heute ist das illusorisch. Man muss irgendwie filtern, wenn man sich für solche Spiele interessiert.

Es gibt Brettspiel-Rezensionsseiten wie Sand am Meer. Einige rundum gelungene, dann noch einige, die immerhin durch Fleiß, Fülle, Aktualität oder interessante Einsichten glänzen und schließlich noch einige andere ...

Warum noch eine weitere Seite? Weil ich denke, dass bestimmte Nischen noch unterrepräsentiert sind Weil viel zu viele Rezensionsseiten tendenziell in der Klötzchenschieber-/Excel-Tabellen-Löser-Kategorie denken Weil Spiele für Nur-mal-so-Spieler unterrepräsentiert sind Weil ich's mal versuchen wollte.
Rezensionen schreibe und veröffentliche ich schon seit vielen Jahren – oft unter anderem Namen und über unterschiedlichste Kanäle. Einiges hier war schon anderswo zu lesen, ich habe manche Texte mehr oder weniger recycelt, um auf diese Weise einen gewissen Grundstock zu sammeln, damit der Leser besser abschätzen kann, wie ich zu meinen Bewertungen komme. Es liegt nahe, dass hier vor allem sehr gute Spiele (natürlich nach meinem Empfinden) auftauchen werden, aber ich habe auch dafür gesorgt, dass ein paar nicht so gute Spiele hier besprochen werden. Ein Bewertungsrahmen (und sei er auch so knapp wie hier: sehr gut - gutgeht so - lieber nicht) sollte schließlich auch ausgeschöpft werden.

Wieso soll das nahe liegen, dass vor allem sehr gute Spiele hier auftauchen?

Um ein Spiel bewerten zu können, muss man es (normalerweise) ein paar Mal gespielt haben. Dazu sollte einem das Spiel Spaß machen (es sei denn, man sieht sich als professioneller Rezensent oder hat unglaublich viel Zeit). Man sollte das Spiel außerdem besitzen – aber wer kauft sich schon etwas, von dem er ahnt, dass es ihm nicht gefallen könnte? Und schließlich: Um ein Spiel herzustellen und in den Vertrieb zu bringen, sind ein paar Leute und ein bisschen Geld notwendig. Es ist recht wahrscheinlich, dass es eher gute bis sehr gute Spiele auf den Markt schaffen, wirkliche Vollnieten findet man seltener und seltener. Nun könnte ich natürlich bei den sehr guten Spielen eine feinere Abstufung der Bewertung einführen, aber ... nein, es bleibt bei diesen vier Noten. Den Rest muss man sich aus meinem Fazit zusammenreimen, wenn man das braucht (ist es aus Otto Normalerspielers Sicht eher locker oder eher anstrengend und warum habe ich es als sehr gut - gut – geht so – lieber nicht bewertet?).


Außerdem versuche ich, eine Otto-Normalspieler-Empfehlung auszusprechen: Kann man das Spiel einfach aus dem Schrank ziehen und mit ganz normalen Leuten spielen, die daheim die Star-Wars-Monopoly-Ausgabe und die klassische Spielesammlung stehen haben? Ohne viel zu erklären (also für Leute aus der "Lass uns doch einfach anfangen!"-Fraktion)? Werden diese Leute dann vermutlich auch Spaß an dem Spiel haben?

Natürlich werde ich auch in Zukunft immer wieder auf ganz alte Schätzchen (oder Gruselstücke) meines Spieler-Lebens zurückkommen, denn einerseits werden die richtig tollen Gralsspiele ja doch irgendwann wieder aufgelegt, andererseits tauchen manche Sachen erstaunlich oft auf Flohmärkten und viel zu selten in Rezensionen auf.


Gralsspiele?


Die meisten Vielspieler und Sammler werden darunter wohl solche Spiele verstehen, die schon lange vergriffen und sehr gesucht bis nahezu unauffindbar sind, eben so ähnlich wie der heilige Gral. Ich habe diesen Begriff aber auch auf ein paar andere Spiele angewendet. Sie sind zwar verhältnismäßig einfach zu bekommen, werden gleichzeitig von gewissen Vielspielerkreisen äußerst positiv bewertet, doch ihre, ich sage mal: sperrige Zugänglichkeit hat dafür gesorgt, dass sie lange ungespielt im Schrank lagen oder noch liegen. Dennoch sollen, nein, müssen sie irgendwann in Angriff genommen werden.

Spiele sammle ich seit etwa 1975, bin ein begeisterter, aber nicht wirklich guter Spieler, spiele alles, vom entscheidungslosen Kleinkinderspiel (dann allerdings mit Kleinkindern) bis zum stundenlangen Strategiekracher (leider seltener und seltener, weil sich mein Interesse zwangsläufig stark in Richtung Familienspiel verlagert hat). Gelegentlich schreibe ich Übersetzungen für kleine und große Spielverlage, habe schon bis zum Stimmversagen auf der Messe SPIEL in Essen für diverse Verlage den Erklärer und Helfer gemacht und habe tatsächlich bereits ein halbes Dutzend Spiele erfunden. Keines davon finde ich aber selber so gut, dass ich es ernsthaft veröffentlichen würde.


Und in Zukunft?


Ich werde versuchen, wöchentlich mindestens einen Beitrag zu verfassen (Erstveröffentlichung des Blogs war die 40. Kalenderwoche 2014, nachdem ich 40 Rezensionen als Grundstock zusammenhatte), wobei es vorkommen kann, dass sich in dieses Blog außer Spielebesprechungen auch mal andere Dinge verirren. 

Außerdem werde ich mich bald mal um die Formatierungen hier kümmern (müssen). Blogger erzeugt grausiges html und hat noch einige andere haarsträubende Eigenheiten und Fallstricke – vor allem die WYSIWYMG-Vorschau (die was man sieht, kriegt man vielleicht sogar-Vorschau) ... da ich unbedingt vor der SPIEL 2014 mit dem Blog raus wollte und die Zeit knapp wurde, ist alles jetzt erst mal so wie es ist.