Freitag, 9. September 2016

Eine Ära geht zu Ende, Teil I

Harald Bilz ist tot!❝

Dieses schwarze Hemd (mit einem sehr sublimen Würfelmuster) besitze ich seit mehr als zwanzig (oder gar dreißig?) Jahren. Ich trage es nur einmal pro Jahr, am ersten Tag der SPIEL. Am vergangenen Dienstag habe ich es trotzdem getragen, zu Harald Bilz’ Beerdigung.
Alle Trauergäste trugen diesen Anstecker mit dem traurigen Bären (er wurde von den Angestellten des Heidelberger Spieleverlags, dessen Mitgründer und Geschäftsführer Harald war, ausgegeben).

Harald konnte ein Kumpel sein, ein Kritiker, eine Muse, ein fairer Chef und ein ungerechter Chef. Er hat ein paar Spiele erfunden und noch viel mehr Spielen zum großen Erfolg verholfen. Obwohl er knallhart verhandeln und aburteilen konnte, hat er jedem Spiel eine Chance geben wollen. Selbst von absoluten Rohrkrepieren nahm er in Essen auf der SPIEL fast immer noch eine Kiste des jeweiligen aufstrebenden Jungverlegers mit. Meistens hat das nichts gebracht, außer noch größere Ramschstapel im Folgejahr, manchmal aber eben doch.

Vor allem er war's, der mit seiner unkonventionellen Art den Verlag größer und größer gemacht hat, der den Fachhandel stärken wollte und seinen Supportern mit dem Burgevent ein Dankeschön aussprach. Wieso er (mit langer Mähne, T-Shirt, Weste, Bauchbeutel, Shorts und knallgelben Turnschuhen) eine fruchtbare Kooperation mit Fantasy Flight Games in USA eingehen konnte (die Jungs dort sind geschniegelt und gebügelt, straff durchorganisiert und seriöser als Bankangestellte), wissen die Götter. Sein Traumziel, eine ganze Halle der SPIEL nur unter Heidelberger-Flagge, wird er nicht mehr erleben, ebensowenig wie eine Neuauflage seines genial-kruden Spiels Demontowers. Immerhin: seinen langersehnten Preis Spiel des Jahres hat der Verlag dieses Jahr bekommen und das hat er, wenn auch nur aus der Ferne, noch erleben dürfen. Ein großartiger Höhepunkt einer seit geraumer Zeit anhaltenden Erfolgsstrecke. 

Am 29. August 2016 fühlte er sich unpässlich, schob es aufs Wetter und wollte ein Nickerchen halten, von dem er dann nicht mehr aufwachte. Herzversagen, mit gerade mal 57 Jahren.

Ich vermisse ihn. Noch kann ich mir eine Essen-Messe oder ein Burgevent ohne Harald nicht vorstellen, aber das Spiel wird und muss weitergehen.

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