Samstag, 23. Juli 2016

Spiel des Jahres 2016 – Codenames

Mir fehlen die Wörter!❝

Geheim:2
Dieses Blog wurde gestartet, um herauszufinden, ob man ohne aktives Rühren der aufdringlichen Werbetrommel per Facebook, Forumssignaturen und sonstiger Frechheiten nennenswerte Zugriffszahlen bekommen kann. Einfach nur, indem man ein, zwei gute Beiträge pro Woche schreibt. Nach milde gutem Start – und zwischenzeitlich hohen Besucherzahlen – ist der Betrieb hier leider fast zum Erliegen gekommen. Zwei Beiträge pro Monat, wenn's hochkommt, ist halt zu wenig für mein Experiment. Ursache sind die letzten etwa 12 Monate, die deutlich interessanter wurden, als es mir lieb war.

Auch mein Spielerleben war natürlich schwer davon beeinträchtigt, doch was dann passierte, war unglaublich!
(Ich bitte um Entschuldigung für diese brunzblöde Marktschreierei, aber anscheinend hat es ja funktioniert.)
Am letzten Montag standen in Berlin auf der Bühne des Vereins Spiel des Jahres nicht nur der Autor des Gewinnerspiels Codenames und zwei der verantwortlichen Verlagschefs, sondern auch zwei als Agenten ausstaffierte Personen. Eine davon war der Blogautor, der bei Codenames für die deutsche Übertragung verantwortlich war! Die andere war meine Ehefrau, die sich ebenso wie ich im Vorfeld bereiterklärt hatte, ein bisschen Staffage für die Präsentation des Spiels abzugeben.

Zu meiner Verblüffung gewann Codenames nicht nur (und wer da im Moment der Enthüllung am lautesten "JA!" gebrüllt hatte, war ich), sondern der Sprecher der Jury, Bärnhardt Lölain* richtete bei der Preisverleihung sogar noch das Wort an mich und wollte wissen, wo denn die Herausforderung bei der Übersetzung eines solchen Spiels gelegen habe. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet – ebenso wenig wie mit dem für mich irritierenden Umstand, dass die Bühne leicht wackelte. Durch eine vorbeifahrende U-Bahn? Im dritten Stock des Swissotels? Erst mit etwas Verzögerung wurde mir klar, dass es meine Beine waren, die höllisch zitterten. Das ist mir, trotz genau 40 Jahren Bühnenerfahrung als Darsteller und Moderator, das letzte Mal im Teenie-Alter passiert (Lampenfieber habe ich noch heute vor einem Auftritt, aber das äußert sich nie in wackligen Knien). Zum Glück war's nicht allzu gestammelt und langatmig, was ich auf der Bühne dann von mir gegeben habe, auch wenn es ziemlich blöd wirkt, wenn ein Übersetzer eines Sprachspiels anscheinend den Unterschied zwischen Worten und Wörtern nicht kennt. Egal, immerhin weiß er, was Homonyme sind.

Was soll ich noch sagen? Das verlängerte Wochenende in Berlin war großartig! Die Party am Vorabend der Verleihung prima:

Petr Murmak, der Chef von CGE, ganz links, hatte keine Lust, sich zu verkleiden. Spielverderber.
Vlaada Chvátils Power-of-Greyskull-Schwert geht nahtlos in meine Nerf über (ein schönes, wahres,
mühsam arrangiertes Bild).
Ich konnte Matt Leacock und Rob Daviau (Heroscape! Risiko Evolution!) die Hände schütteln, mal alle Mitglieder des Vereins SdJahres kennen lernen (durch die Bank sympathische Typen) und erleben, wie sie am Vortag subtil bei jedem der Nominierten den Eindruck erwecken, er hätte gewonnen, ich konnte in Erfahrung bringen, wie Martin Klein an 12 Kilo Knetgummi gekommen ist  – und ich habe völlig vergessen, Alexander Pfister mal leibhaftig anzusprechen, obwohl ich doch zu Yvio-Zeiten regen Mailkontakt zu ihm hatte.

Dass der Heidelberger Spieleverlag mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, zur Verleihung mitzukommen, hat mich irrsinnig gefreut (das war ohne Hintergedanken seitens des Verlags – die Idee mit der Agentenverkleidung kam später und hätte von mir auch abgelehnt werden dürfen). Dass auch mal eine Übersetzung gewürdigt wird, ist großartig (es ist mir schon früher, ebenfalls mit dem Verlag Czech Games Editions passiert: Die Fachpresse fand die deutsche Version der Anleitung zu Space Alert damals sensationell – Space Alert erhielt einen Sonderpreis, auch wenn der eher wenig mit der Übersetzung zu tun hatte).

Zu hoch aufhängen will ich meine Arbeit hier aber nicht: Codenames funktioniert tatsächlich mit JEDER Auswahl an Begriffen oder auch Illustrationen oder Gegenständen – es funktioniert lediglich deutlich BESSER, wenn man sich ein paar Gedanken zu dieser Auswahl macht (und das eine oder andere Mal die eigentlich festen Regeln für "erlaubte" Wörter auf den Karten bricht). 

Ich hatte übrigens bis zum letzten Augenblick damit gerechnet, dass Karuba gewinnt. Und ich (wie wahrscheinlich alle anderen im Saal auch) wusste zu Beginn der Veranstaltung, dass Isle of Skye den Kennerspiel-Preis machen würde, denn leider zeichnete sich dessen Schachtelform unter dem Tuch sehr genau ab.

*Name bewusst falsch geschrieben, denn er hat bei der Verleihung einige Namen der Nominierten und Gewinner ebenso ruiniert

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