Montag, 28. September 2015

Room Escape (Live-Spiel)

TEAM Escape: Mr. Nobodys erster Fall

❞ Habt ihr einen Schlüsselbund gefunden?❝

Mehr zu Room Escape (oder Escape Room?) Games hier.

Natürlich wird nichts über tatsächliche Rätsel und Lösungen erzählt. Bin ja kein Spaßverderber.

Der Anbieter Team Escape bietet bei seinen vielen Standorten in Deutschland unterschiedliche Spielzimmer an. Das Quasi-Einsteigerspiel Mr. Nobodys erster Fall lässt sich in diversen Städten spielen. Wir haben es (zu zweit) in Köln ausprobiert.

Obwohl man dem Spiel anmerkt, dass es ein "Erstlingswerk" ist, sind die vielen Rätsel teils knackig und überraschend, sodass man mit einem richtig guten Gefühl und einigermaßen außer Atem aus dem Raum kommt.
Warum Erstlingswerk? Es finden sich mehrere für Room-Escape-Spiele typische Elemente, und hier verrate ich sicher nicht zu viel, wie die oft in diesen Räumen benutzte Rätsel-Schreibmaschine und natürlich UV-Licht (auch das ist schon fast ein ungeschriebenes Gesetz von Escape Rooms).

So richtig will man dem Ambiente das Hotelzimmer eines Privatdetektivs auch nicht abnehmen, aber wer hat schon Zeit, das Ambiente zu genießen? Sechzig Minuten sind für die Fülle an Informationen, die es in sich aufzunehmen gilt, ausgesprochen knapp, gerade, wenn man bloß zu zweit ist. Würde der Spielleiter, der alles per Kamera überwacht, nicht recht häufig Tipps mithilfe von Texttafeln über einen Monitor im Raum erscheinen lassen, wir hätten sicher zwei Stunden gebraucht. Immerhin ist der Raum auch für bis zu sechs Leute konzipiert und die sind dann mit all dem Sammeln von Indizien, überprüfen von Hinweisen und Umhertragen von Gegenständen gut beschäftigt und benötigen sicher weniger Tipps. Übrigens bleibt es im Verlauf der "Handlung" nicht bei dem anfänglich für sechs Leute doch etwas arg klein wirkenden Raum, auch das kann man verraten.

Rückblickend hat es der Spielleiter perfekt gemacht, denn wir waren eine Minute nach Ablauf der Zeit draußen. Die Minute hat er uns vermutlich geschenkt, weil wir anfangs einen dicken Schlüsselbund gefunden hatten, von unseren weiteren Suchaktionen abließen und grübelten, was so ein Fremdkörper (Schlüssel, wie sie du und ich mit uns herumtragen) hier soll? Er passte einfach nicht zum Setting. Klingelingeling meldete sich der Monitor, und zu lesen war: "Oh, das ist meins, gehört nicht zum Spiel. Ich komm rein und hol es mir." Und so öffnete sich nach zwei Minuten Spielzeit die eigentlich verschlossene Tür und er nahm uns die Schlüssel ab.
Ich hatte dadurch völlig vergessen, meine Suche an einem Kleiderständer fortzusetzen, was gegen Ende für eine ziemliche Verzögerung sorgte. Egal, so etwas kann passieren und wir hatten Glück, dass es ziemlich zu Anfang war, und so stellte sich bei uns schnell wieder die übliche Spannung ein, die man beim Entkommen aus so einem Raum empfindet.

Mr. Nobody, das ist kein Geheimnis, ist einem Kunstraub auf der Spur. Offenbar hat er den Fall gelöst, ist nun aber verschwunden. Für uns gilt es, seine Arbeit nachzuvollziehen bzw, zu vervollständigen und den Kunsträuber und dessen Plan zu identifizieren. Wie üblich ist hier keine kriminalistische Auffassungsgabe gefragt, sondern pures Lösen von einfachen "Denksportaufgaben": Wenn man also (ich erfinde das jetzt mal) im Briefkasten einen Umschlag mit einem 20seitigen Dossier zu einem zurückliegenden Gemäldediebstahl findet, muss man sich dessen Text nicht durchlesen und Rückschlüsse ziehen. Nö, auf jeder Seite ist ein Buchstabe fett gedruckt, wie man beim Durchblättern entdeckt - zusammen gelesen steht da 3x rechts 25 - 2x links 13. Vorne ist die Abbildung eines Ölschinkens drauf. Genau dieses Gemälde (oder zumindest eine billige Reproduktion) hängt über dem Sofa. Klappt man das Bild weg, ist dort ein Safe in der Wand. Den öffnet man mit der gefundenen Kombination und findet belastende Hinweise zum genannten Diebstahl und so weiter.
Alles ausgedacht, aber so ähnlich läuft es. Und ist trotz der Banalität ungeheuer befriedigend, vor allem, wenn man dazu keinerlei Hinweis des Spielleiters benötigt hat.

Angenehm ist der Umstand, dass fast keine in die Irre führenden Hinweise verteilt werden. Es stehen zwar ein paar Objekte im Raum, die lediglich Schmuck sind (obwohl sie manchmal sogar eine kleine Ziffer tragen), aber man erkennt sehr schnell, was wirklich zur Aufgabe gehört. Es ist ziemlich viel an Kram. Ich würde schätzen, 50, 60 Dinge gilt es insgesamt zusammenzutragen bzw. zu entdecken für an die 20 Rätsel (wobei die oben genannte Geschichte mit dem Safe ein Rätsel mit drei Dingen (Safe, Bild, Dossier) wäre).

Ein paar Sachen stellen sich als Nebenpfade heraus, die man zum Öffnen der Tür nicht benötigt hätte, aber das weiß man erst nachher. Alles fügt sich recht gut in die Story ein, die sich abgespielt haben soll (in den Grenzen eines Room-Escape-Spiels), nichts wirkt wie ein Fremdkörper.

Zu Beginn gibt der Spielleiter eine gute und enthusiastisch vorgetragene Einleitung, am Schluss geht er mit den Spielern noch einmal den Raum im Schnelldurchgang durch, lobt gutes Spiel und zeigt, was man falsch gemacht oder übersehen hat. Ein Sieger- oder Verliererfoto wird noch gemacht und sogar ausgedruckt und mitgegeben.
Die Räume und der Aufenthaltsraum sind in einem Kellergeschoss, das recht gemütlich, aber schon ein bisschen heruntergekommen, aber nicht unangenehm ist.

Insgesamt sehr schön, für Einsteiger super geeignet, aber auch für alte Hasen noch ausreichend herausfordernd, auch wenn letztere keine besonderen Ahh-Effekte geboten bekommen. In Minimalbesetzung etwas zu viel an Rätseln, ohne Hilfe wird es dabei nicht gehen, zu sechst sicherlich knapp unter einer Stunde lösbar, wenn die sechs gut zusammenarbeiten und schon Erfahrung mitbringen.

Team Escape Köln
Mr. Nobodys erster Fall
In Deutsch oder Englisch spielbar
35,50 bis 22,50 pro Person

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