Montag, 31. März 2014

Die Insel

❞Ich bin die Seherin!❝

Kurz nach der Jahrtausendwende drohten die Brettspiele elektronisch zu werden. König Artus hieß das erste Brettspiel, in das Tasten für die Interaktion mit dem in der Mitte des Spielplans liegenden Computer nach einem speziellen Verfahren aufgedruckt waren. Tolle Sache, wenn denn die eigene Haut die korrekte Leitfähigkeit aufwies. Es soll Leute gegeben haben, die sich die Finger angeknackst haben, weil das Drecksspiel ihre Eingaben nicht erkennen wollte. Außerdem litt König Artus an der Familienspielkrankheit – eine an sich gute Idee wurde so verwässert und vereinfacht, dass man nicht allzu viel Spaß damit hatte, wenn nicht gerade Halbwüchsige mitspielten.

Mit dem zweiten Versuch sollte alles besser werden. Die Erkennung von Fingerdrücken klappte gut (jedenfalls zunächst – nach einer Weile plagten technische Probleme das Spiel), die Sprecher – erneut absolute Profis – waren gut zu verstehen, die Herausforderung an die Spieler waren wesentlich höher als beim Vorgänger.

Montag, 24. März 2014

Star Wars - The Queen's Gambit

❞Noooooooooo!❝



Ein Spiel vom amerikanischen Spielehersteller-Giganten Hasbro breit in amerikanischen Supermärkten gestreut, das sich an Episode I der Star-Wars-Filme orientiert? Das dort weitgehend gefloppt ist – so wie der Film bei den Fans und Kritikern eher durchgefallen ist? Das es nie auf den deutschen Markt geschafft hat und wohl auch nie wieder aufgelegt werden wird?

Das soll was sein? Ja, soll es. Hunderte glühende Fans (des Spiels) können sich ja wohl nicht irren.

Montag, 17. März 2014

Das Motorsportspiel


❞Berührt, geführt❝


Die Schachuhr ist nicht
Teil des Lieferumfangs
 Ganz klar: wer die Dynamik eines Autorennens, sei es Formel 1 oder wie hier Tourenwagen-Rennen, möglichst naturgetreu auf den Tisch bringen will, der legt sich eine Carrera elektrische Rennautobahn zu.

Ein Brettspiel zerlegt die kontinuierliche Bewegung des Fahrzeugfelds zwangsläufig in kleine, rundenbasierte Häppchen, was bei einigen Vertretern dieser Gattung zu gähnender Langeweile führt (ich blicke auf dich, Formula De!).

Und genau so wäre auch Das Motorsportspiel, wenn seine Macher nicht diesen kleinen, altbekannten, aber immer wieder wirksamen Kniff in die Spielregel eingefügt hätten: Die Zeit für deinen Zug ist begrenzt (= sie darf nur 20 Sekunden dauern).

Montag, 10. März 2014

Das Große Rennen

❞Los, noch ’ne Partie Rudi Reifenstecher.


Ende der 80er in der Studenten-WG. Jeder Spielabend wurde mit einer Partie „Rudi“ beendet. Der Rotwein war da bereits reichlich geflossen (einmal wurde ein Glas sogar versehentlich über die Streckenanzeige gekippt) und ein völlig hirnloses Spiel als Abschluss kam da gerade recht.

Bei uns hieß das Spiel Rudi Reifenstecher, denn Rudi spielt bei Das große Rennen immer mit und ist der Gegner aller anderen Spieler. Sein Name ist ja auch viel einprägsamer als der eher dröge Spieltitel. Rudi ist eine violette Plastikkugel unter vielen anderen Plastikkugeln in einem reizlosen Roulettekessel und Rudi verdient, wie alle anderen Spielteilnehmer auch, Kohle in seiner eigens auf dem Spielplan angegebenen Privatschatulle und gewinnt Rennetappen. In seltenen Fällen so viele, dass er das Spiel sogar gewinnt.

Montag, 3. März 2014

Merchant of Venus

❞Melf Pelts, irgendjemand?❝


Hier geht es nicht um die kürzlich (2013) erschienene Neuausgabe des Spiels, dessen Gralsstatus dadurch einen Kratzer bekommen hat, sondern um das nur in englisch erhältliche Original von 1988.

Irgendwie sieht es schäbig aus, wenn man es mit Spielen vergleicht, die zeitgleich in Deutschland auf den Markt gekommen sind. Es stammt halt von einem Verlag, der ansonsten meistens Kriegsspielsimulationen herausbrachte, die selten aus mehr als einem Papierspielplan – manchmal auch aus fester Pappe – und winzigen, eher schlecht ausgestanzten, wenig ansprechenden Pappmarkern bestanden. Die Regelhefte, in schlichtem Schwarzweiß gedruckt, glichen Bedienungsanweisungen von Maschinenbauern, denen Kundenorientiertheit ein Graus ist, die aber Wert auf akribische Genauigkeit legen („Kapitel 2.3.1.5.6 a“).

Auch Merchant of Venus ist so ein Ungetüm, zwar mit bunt illustriertem, festem und großem Spielplan, der aber qualitativ wie künstlerisch so wirkt, als sei er 30 Jahre zuvor entstanden. Optik ist zwar wichtig für den ersten Einstieg, aber nach kurzer Zeit tritt sie zumindest bei mir völlig in den Hintergrund. Dann kommt es nur noch darauf an, ob sie den Spielfluss stört oder nicht. Ist Merchant of Venus denn ein gutes Spiel?

Ja, und ich finde es sogar großartig – auch nach heutigen Maßstäben noch.