Montag, 22. Dezember 2014

Dragonscroll

❞Drachen, die auf Ziegen starren?❝

Achtung: Die abgebildeten Karten sind NICHT das
Originalmaterial; mehr dazu im Text.
Sie starren nicht nur, sie fressen sie auch. Zuerst „fangen“ sie sie zwar bloß, aber irgendwann übermanntdracht selbst den fettesten Feuerspeier der Hunger und dann müssen Ziegen, die verdächtig nach Schafen aussehen, dran glauben – ebenso wie waldbewohnende Elben, bergbehausende Zwerge, edle Ritter, bösartige Zauberer und in Scharen auftretende Orks. Wer am Schluss die meisten – durch Karten vorgegebenen – Menüs aus diversen dieser Lebewesen auf kleiner Flamme zubereitet und verspeist hat, bekommt dafür einen Haufen Punkte, allerdings gibt es auch noch andere Möglichkeiten, dem Sieg näher zu kommen.

Freitag, 19. Dezember 2014

Die Alchimisten - Austauschmaterial vom Verlag

❞Sehr schön, CGE!❝


CGE hat Wort gehalten (auch wenn es Probleme mit der Abwicklung gab) und neue Marker zugeschickt. In D sind sie etwa ab dem 15. Dezember bei den Bestellern angekommen. Überraschend: Die Druckerei hat sämtliche Stanzbögen beigelegt, in Haftfolie eingewickelt. 

Die drei großen und den kleinen, obwohl die zu groß gestanzten Marker lediglich auf zwei Bögen auftauchen. Soweit ich sehen konnte, ist ansonsten alles gleich geblieben. War wohl finanziell egal, ob man alles oder nur das Benötigte schickt und daher vom logistischen Aufwand die einfachste Lösung.

Netter Bonus: vier bunte Aufkleber liegen bei, allerdings muss man bei diesen noch ein wenig Hand anlegen.

Montag, 1. Dezember 2014

Das magische Museum - Ravensburger SmartPlay, erster Nachtrag

❞Problem – gelöst?❝


Inzwischen gibt es ein Update zu  Das magische Museum, das mich leider gar nicht begeistert hatte*. Ja, es ist tatsächlich vieles verbessert worden, jedoch bleibt das Spiel für mich (und mein iPad) nach wie vor nicht wirklich spielbar.
Bisher war noch niemand mit einem offiziell kompatiblen Smartphone aufzutreiben (mein iPad ist offiziell NICHT kompatibel, daher ist das hier mit Vorsicht zu genießen).

Sonntag, 16. November 2014

Das magische Museum - Ravensburger SmartPlay

❞Du hast – Ein – Problem❝

Gerade hat man noch gehofft, dass Ravensburger nach den im Ansatz auch für erwachsene Spieler geeigneten TipToi-Spielen „Globus“ und „Der Millionen-Coup“ weiteres Material rausbringt, da überraschen sie mit einer Serie elektronischer Spiele, die auf ein technisches Gimmick völlig verzichten, sondern das heimische Smartphone (oder einen geeigneten iPod) benötigen, auf das eine  kostenlose App geladen wird, die alle Vorgänge auf dem Spielplan erkennen und so das Spiel leiten soll.

Der seinerzeit umstrittene, elektronische König Artus wurde dazu wieder aus der Versenkung geholt und auf den neuen Stand der Technik gebracht, ein Quizspiel gibt es ebenso und ein ein kooperatives Spiel. Alle drei gibt es zusammen mit einem Plastik/Alu-Halter für’s Smartphone (als Starter-Set) oder auch ohne diesen – dann ein paar Euro billiger.

Ich habe mich höllisch gefreut und mir aus der Serie Das magische Museum zugelegt, ein kooperatives Familienspiel mit Solo-Möglichkeit und verschiedenen Schwierigkeitsstufen und frage mich jetzt, ob das jemand in Essen auf dem Ravensburger-Stand wirklich ausprobiert hat, denn es funktioniert leider hinten und vorne nicht.

Sonntag, 9. November 2014

Pimp my Alchemist

❞English text below in blue (click on "Weiterlesen" and/or scroll down)!❝


Die Alchemisten des tschechischen Verlags CGE war – je nachdem, wem man Glauben schenkt – eins der Highlights der Spielmesse in Essen 2014, komplett ausverkauft bereits am Samstagmorgen. Allerdings habe ich miterlebt, wie am Sonntagspätnachmittag ein völlig ignoranter Käufer vor dem Poster "Sold out!" stand, einen der Tschechen hinter dem Tresen fragte, ob man noch ein Alchemisten kaufen könnte, und als Antwort das überraschende: "Ja, wir haben gerade eins zurückbekommen, da ist die Folie ab, aber ansonsten neu" zu hören bekam. Klar hat er's gekauft. Ignoranz ist manchmal ein Segen.

Das Spiel ist gut, aber wie ich schon an anderer Stelle sagte, leidet es am typischen CGE-Touch: Es reicht ihnen nicht, ein tolles Spiel zu liefern, sie packen auch sofort drei "Erweiterungen" mit rein, was Preis-Leistung enorm erhöht, den Einstieg aber höllisch erschwert, denn man kann diese "Erweiterungen" nicht aus dem Spiel rauslassen. Egal, der Erfolg gibt ihnen Recht.

Das Spiel plagen in seiner Erstauflage diverse (kleine) Probleme. Hier sind meine Abhilfen.

Freitag, 31. Oktober 2014

Nach dem Essen

❞Naja.❝



Nach der Spiel in Essen kam außer Dragonscroll (Besprechung folgt in Kürze) ganz viel eher simples „Naja“ meiner Neuerwerbungen auf den Tisch (letzteres alles zunächst ausschließlich zu zweit):

Port Royal, Ancient Terrible Things, Dungeon Bazar, Camel Cup, Machi Koro, Professor Pünschge

Samstag, 25. Oktober 2014

Essen - Nachlese

❞Wohin bloß damit?❝

Nur die Auserwählten haben diesen göttlichen Überblick
Auf meinem Radar waren 2014 auf der SPIEL in Essen so etwa 20 Spiele (von vermutlich 850 Neuerscheinungen), die ich – in einer idealen Welt mit unendlich Platz, Zeit und Geld – alle gerne gehabt hätte (plus anderen Kram, der mir im Vorbeigehen aufgefallen ist).

Natürlich ist die Welt in Wahrheit schlecht (und einige der Spiele sind es auch), also muss man abwägen, ausprobieren und entscheiden.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Soqquadro

❞Klirr, schepper, krach!❝

Da könnt ihr lange suchen –
deutsche Karten gibt es bisher nur in Photoshop
Soqquadros (englische) Regel ist im Gegensatz zu der von Dungeon Bazar aus demselben Verlag halbwegs verständlich geschrieben und das Spiel könnte in englischer Fassung auch von Deutschen mit minimalen Sprachkenntnissen gespielt werden (das Englisch der Karten ist simpel – es sind bloß Farben, Anfangsbuchstaben und simple Eigenschaften, die auf den Karten stehen; die Übersetzungen könnte man in Deutsch auch mit Permanentmarker drunterschreiben).

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mein Senf zu Essen

❞Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was!❝


Haha, ich gehöre zu den Eingeweihten, zu den Checkern, denen die Neuerscheinungen auf der SPIEL nur noch ein müdes Gähnen entlocken. Ich habe sie alle schon zumindest angespielt, die tausend Neuheiten … und hier bin ich, um euch davon zu künden!

Ach nee, stimmt ja gar nicht, eigentlich kenne ich bisher kaum was - und von Anspielen kann keine Rede sein. Wird ja leider auch immer seltener, dass einem Verlage ein Handmuster oder die Originalausgabe für die Übersetzung zusenden - die Spielregel und ein paar Dateien müssen reichen, um das ganze zu lokalisieren, schließlich ist ja keine Zeit und das Geld knapp.

Erste Eindrücke also:

Dienstag, 14. Oktober 2014

Soundtrack zur Andor-Erweiterung

Ja klar, der Star-Illustrator Michael Menzel erfindet ein Spiel. Kosmos will ihn bei guter Laune halten und veröffentlicht das. Das kann ja nix sein, sagt der erfahrene Branchenkenner (ich), grinst und lehnt sich arrogant selbstgefällig zurück. Dann trudeln die ersten Abbildungen und Beschreibungen ein und plötzlich muss er sich eingestehen: Doch, da steckt was drin, das könnte gut sein, er muss es haben und er spielt es und es ist wirklich gelungen.

Für die erste große Erweiterung Die Reise in den Norden bringt der Menzel jetzt auch noch Soundtrackgedudel raus, das man im Hintergrund laufen lassen soll. Die Werbetrommel muss ja gerührt werden. Was das uns als Konsumenten wohl wieder kosten soll? Hätte er's nicht gleich dem Spiel beilegen können, so wie der US-Verlag Flying Frog für seine Spiele Fahrstuhlmusik produzieren lässt und als CD dazu packt, die man dann immer noch als Bieruntersetzer benutzen kann.

Oh, ein kostenloser Download ...

Das große Spiel um 15 %

❞ … ❝

Nur, damit mal wieder eine Ein-Stern-Beurteilung hier landet: Das große Spiel um 15% ist Mist, fast totaler Schrott. Ich habe es in dreißig Jahren zweimal auf dem Flohmarkt entdeckt, also ist wohl nicht davon auszugehen, dass meine Warnung irgendwem nützen wird.

„Fast“ totaler Schrott? Ja, denn immerhin ist die Materialqualität über jeden Zweifel erhaben.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Essen!

In einer Woche ist wieder „ESSEN“ (jedenfalls für unsere ausländischen Freunde; hierzulande heißt es ja teutonisch korrekt „Die SPIEL(messe) in Essen“).

Um die 140.000 Besucher, bestimmt 900 Neuerscheinungen, laute, rauschende Messehallen, kaum zu bezähmende Kauflust, obwohl sich doch die Spiele des letzten Jahrgangs zum Teil noch ungespielt im Regal stapeln. 

Montag, 6. Oktober 2014

Korrigans

❞Hast du jetzt den Regenbogenstein gezogen oder nicht?❝


Nichts hiervon – außer der Grafik – entspricht dem tatsächlichen
Spiel! Die braunen Spielchips sind im richtigen Spiel viel
kleinere, hübsche Kleeblätter, die Figuren hübsch modellierte
Wichtelmänner, die schwarzen Platikrechtecke in Wahrheit
graue Menhire, und die Regenbogensteine stehen in einer
solchen Spielsituation noch nicht um den Spielplan herum.
Korrigan?
Damit assoziiere ich einen markigen US-Krimihelden, der sich mit Fäusten und Handfeuerwaffen durchs Leben schlägt. Einfach, weil der Name für mich danach klingt.

Die Franzosen verstehen unter Korrigan (Kohriegohh“) jedoch ein winzigkleines Wichtelmännlein, das auf der Suche nach dem Gold am Ende des Regenbogens durch die Pampa, Verzeihung, die Bretagne streift und dabei unschuldige Kleintiere, die nicht bei drei auf den Bäumen oder wo auch immer sind, kurzerhand als reitbaren Untersatz requiriert.

Montag, 29. September 2014

Spielschachteltipps Teil 2

Spielschachteleinsatz


Es tut mir in der Seele weh, bei Spielen irgendwelchen Krempel wegzuwerfen. Immerhin habe ich dafür bezahlt und immerhin ist in das Zeug ein nicht unerheblicher gestalterischer Wille eingeflossen. Die Ausnahme ist Risiko Evolution, da gehört das Wegwerfen zum Spiel.

Also bleiben bei den Spielen von Fantasy Flight Games zum Beispiel die Einsätze in meiner Box. Da sie jedoch oftmals nur vertuschen sollen, dass sich viel Luft in der Schachtel befindet, ist die Raumausbeute dürftig. 

Wahrscheinlich lockt dieser Tipp keinen Hund hinter dem Ofen hervor, wie schon mein erster, aber hier kommt’s:



Donnerstag, 18. September 2014

Game of Thrones 4D Puzzle

Links die schwankende Insel Puke, vorne das unscharfe
Casterly Rock mit der scharfen Sarah Connor
Es hilft nicht gerade, wenn man soeben die vierte Staffel Game of Thrones gesehen hat, zwischendurch das deutsche Buch Nummer vier der Serie liest, ein Szenario des Brettspiels Die Schlachten von Westeros spielt und die Blurays der Staffeln Eins bis Drei hintereinander wegkuckt … die Verwirrung ist gewaltig: Man verwechselt Personen und Handlungsstränge und stellt Verknüpfungen her, die völliger Blödsinn sind. Letzteres passiert auch, wenn man versucht, das Westeros-Puzzle der Firma 4D Cityscape zusammenzusetzen.

Montag, 1. September 2014

X-Wing Miniaturenspiel: Tantive IV – CR90

Oh nein, wir sind verloren!

Tantive IV mit Zusatzantrieben – jede Menge Linkskurven
Erweiterung für X-Wing.

Ein ziemlich teures Schiff, das im Prinzip nix kann: Ein Sternenzerstörer trifft im Nullkommanix den Hauptreaktor der Tantive und macht das Schiff, das großspurig auch Blockaderunner genannt wird, bewegungsunfähig, die Schleusentür lässt sich ratzfatz aufschweißen und die Fluchtkapseln sind so schlecht befestigt, dass sie sich im Schadensfall einfach lösen und leer davonfliegen. Nicht mal vor der verbotenen Benutzung durch Droiden sind sie ordentlich gesichert.


Da muss noch kräftig nachgebessert werden, meine liebe Corellian Engineering Corporation!

Montag, 25. August 2014

Kosakenschubsen

ёлки-па́лки!


Jenseits des eisernen Vorhangs war man ziemlich findig. Eine Kalaschnikow – sollte sie denn wirklich einmal kaputtgehen – wurde kurzerhand mit Kaugummi oder Büroklammern repariert und ein Damebrett wurde mit folgender Spielregel zum Geschicklichkeitsspiel umfunktioniert: Leg je 8 deiner Steine an gegenüberliegende Kanten des Spielbretts und schnippe diese Steine so geschickt, dass nur gegnerische Steine dabei vom Brett fliegen, aber nicht deine eigenen. Es gewinnt, wessen Steine übrig bleiben.

Der Schreiner Dieter Zander hat sich dieser banalen (und guten) Spielidee angenommen, und sie an zwei Stellen entscheidend verbessert:

Montag, 18. August 2014

Finger weg!

❞Häää?❝


Nein, diese Karte kommt im tatsächlichen Spiel NICHT vor.
Ich bin der aktive Spieler und sage: „Finger weg … von dem Spiel, das keine Fragen stellt.“

Dann sage ich: „Trivial Pursuit, Cranium, Privacy, Bezzerwizzer, Finger weg!, Collector, A La Carte, Buzz it.“

Die Spieler denken nun: „Aha, wir sollen die 7 Spiele finden, in denen Quizfragen vorkommen und das Spiel vermeiden, in dem KEINE Quizfragen vorkommen!“

Jedenfalls denken sie das theoretisch.

In der Realität denken die meisten nämlich: „Häää?“

Das legt sich erst bei der dritten oder vierten Fragekarte, die vorgelesen wird. Dann fluppt es normalerweise gut (wenn man zusätzlich mit meiner Lösung das technische Manko des Spiels behebt, wie ich das nach dem „Weiterlesen“ zeigen werde).

Montag, 11. August 2014

Laborigines

❞Das dichteste Spiel der Welt.❝


Dieser Text wurde von mir in inhaltlich ein wenig anderer Form bereits 2007 auf der Website der SPIELBOX veröffentlicht. 

Man öffnet die erstaunlich kleine und ebenso erstaunlich schwere Schachtel und ist erst mal erfreut, dass man keine Pappteile ausstanzen muss. Obwohl: eigentlich ist das doch ein Großteil des Spaßes, ein neues Spiel zu bekommen – eben jenes "Auspöppeln". Blöd nur, wenn man danach die übrigen Papprippen entsorgen muss und das eben noch so schön kompakt in der Spielschachtel liegende Material trotz geschlossenem Deckel wie wild umherpurzelt. Aber ich schweife total ab:

Montag, 4. August 2014

Dr. Shark


❞Ich nehm’ die Faust!❝


Irgendwann in den 60er- oder 70er-Jahren: Im Swimmingpool von Dr. Shark schwimmen Haie und Massen von in kleine Puzzleteile zerlegten Beweisstücken (Lagepläne, Geheimagentenausrüstung, Waffen, Geld, Verkleidungen). Als Agent eines Geheimdienstes ist es deine Aufgabe, in diesen Pool zu tauchen. Da die Abteilung Q vergessen hat, dir eine handliche Tauchausrüstung mitzugeben, kannst du die Luft nur etwa 30 Sekunden anhalten. Außerdem scheint der Pool, kein Wunder bei dem Inhalt, schon lange nicht mehr ordentlich gereinigt worden zu sein. Die Brühe ist derart trüb, dass du im Wesentlichen blind ertasten musst, was du zutage förderst.

Da die Einzelteile zum einen als unterschiedlich geformte Puzzleteile ausgeführt sind und zum anderen erfühlbar unterschiedliche Rückseiten besitzen, tappt man nicht völlig im Dunklen. Wer nach einer vorgeschriebenen Anzahl an Runden - je nach Spielerzahl auch im Team – die punkteträchtigsten Beweisstücke sammeln konnte, gewinnt.
Schade, dass Dr. Shark im Pool anderer Neuerscheinungen des Jahres 2011 so untergegangen ist.

Montag, 28. Juli 2014

Chef’s Dinner Party

❞Wo ist der Verlag, der’s rausbringt?❝


Nur ein handgemachter Messe-Prototyp
Es war 2008, als eine Gruppe junger Japaner einen Messestand auf der Essener SPIEL gemietet hatte, und dort zwei Spiele vorstellte.
Der Messestand war ungeheuer improvisiert, ebenso das Material, aus dem die Prototypen bestanden. Soweit ich verstanden hatte, war das Spiel, um das es hier geht (zum anderen kann ich nichts sagen), als Lernspiel für Kinder konzipiert und wurde bei einem studentischen (?) staatlich geförderten Projekt als Lernmittel bei Ausstellungen und in Museen verwendet. Außerdem suchten die Macher einen Partnerverlag zur Veröffentlichung als Brettspiel. Besonders proaktiv umtriebig waren sie auf der Messe nicht gerade und haben auch noch einen großen PR-Fehler bei der Gestaltung gemacht. Ich stellte zwar den Kontakt zu Spieleverlagen her, aber bislang kam es zu keiner Veröffentlichung. Was schade ist, denn das Spiel hätte eine Verschachtelung wirklich verdient.

Montag, 21. Juli 2014

X-Wing Miniaturenspiel

❞Ich kann ihn nicht abschütteln!❝


Links eine von mir frei erfundene Spielsituation, die Han Solo, Darth Vader (sowie zwei Freunde) und Luke Skywalker gemeinsam zeigt – übrigens nur machbar, wenn man ein Grundset (Luke und die namenlosen Tie-Jäger-Piloten), die Erweiterung Tie Advanced (Darth Vader) und die große Erweiterung Rasender Falke Millennium Falcon YT-1300 (Han Solo) sowie eine Spielmatte mit vernichtungsstationsähnlicher Oberfläche (optional) sein eigen nennt.

Das hätte durchaus der Höhepunkt eines der Star-Wars-Filme sein können, aber auf solche Hammer-Ideen kommen die Filmemacher ja einfach nicht.

Das X-Wing-Miniaturenspiel ist seit 2012 auf dem Markt und verkauft sich derartig gut, dass jede Besprechung wie Eulen nach Athen tragen, bzw. X-Wings in den Graben des Todessterns steuern klingen muss. Eigentlich müsste es fast jeder kennen oder sogar schon mal gespielt haben.

Also klicken besser nur die Ahnungslosen auf

Montag, 14. Juli 2014

Risiko Evolution

❞Risiko Ävoluhschn!❝

Da gab’s mal einen Film mit Nicolas Cage, der in Deutschland Ädaptschn hieß. Jedenfalls haben es Leute mit gesunder Halbbildung so ausgesprochen. „Adaption“ war jedoch der deutsche Titel und gemeint war damit die „Adaption“ eines Buches für ein Filmdrehbuch. Im Original hieß der Film Adaptation (Ädaptaischn), was der korrekte englische Begriff für eine derartige Bearbeitung ist.
Das Wort „Adaption“ gibt’s im Englischen in diesem Zusammenhang nun mal nicht und der Film hat tatsächlich einen deutschen Titel bekommen. Keine Selbstverständlichkeit mehr in unseren Zeiten.

Übrigens ein empfehlenswerter, recht schräger Film. Worauf wollte ich mit dieser Klugscheißerei eigentlich hinaus? Ach ja, Risiko Ävoluhschn.

Die Weltkarte des Planeten Erde Nr. 00009037 –
Verräterische Hinweise unkenntlich gemacht
Bei Risiko Evolution ist das Titel-Missverständnis verzeihlicher - auch hier handelt es sich tatsächlich um einen eingedeutschten Titel (der spanische heißt übrigens Risk Revolution, was man auf dem beigelegten Stift nachlesen kann, der wohl ein Verpackungsfehler oder eine kostengünstige Notlösung war). Der Originaltitel lautet Risk Legacy, was inhaltlich sauschwer ordentlich zu übertragen gewesen wäre. Risiko Evolution trifft es tatsächlich prima, denn das Spiel verändert sich von Partie zu Partie, so, wie es die Spieler festlegen.

Montag, 7. Juli 2014

Battlestar Galactica

❞Hä? Starbuck ist ne Frau?❝



Nur ein Viertel des Spielplans. Da haben sich zwar
ein paar Teile diverser Erweiterungen eingeschlichen,
aber auch nur mit dem Basisspiel ist Battlestar Galactica
eine üppig ausgestattete Augenweide.
Ach, waren das noch Zeiten, 
  • als bereits in Folge 2 der 1979er Serie Kampfstern Galactica alle Beteiligten erfolgreich verdrängt hatten, dass gerade eben fast ihr gesamtes Volk ausgerottet wurde, 
  • als Zylonen einfach erkennbar waren (weil sie wie wandelnde Toaster aussahen), 
  • als Starbuck noch männlichen Geschlechts war, und zudem Face aus dem A-Team ähnelte, und 
  • als Brettspielumsetzungen von erfolgreichen Filmen oder TV-Serien nie über den Spielreiz von Rundwürfelkursen hinauskamen.


Montag, 30. Juni 2014

Yvio – Spongebob Schwammkopf Krosse Krabbe Express

❞Ich bin bereiiheiit!❝


Wer mit SpongeBob Schwammkopf auf Kriegsfuß steht, weil ihm der subversive Humor der Serie völlig verborgen bleibt oder zu platt erscheint, um die Albernheiten und das hysterische Geschrei zu ertragen, der wird das Spiel wohl nicht anfassen. Wer Spongebob jedoch mag und noch dazu auf Hektik-Spiele steht, der wird begeistert sein.

Montag, 23. Juni 2014

Takenoko

❞Das Beet muss erst bewässert werden!❝


Vorneweg: Takenoko ist in seinem Kern nix neues, sondern eine echt breit getretene Spielidee: Sorge durch deine Aktionen dafür, dass sich auf dem Spielplan ein bestimmtes Muster ergibt, für das du Punkte erhältst. Ich kenne viele solcher Spiele, die meisten davon finde ich ungeheuer öde ... warum also gefällt mir Takenoko trotzdem so gut (für ein Familienspiel), dass ich mir davon sogar die teure Riesenausgabe zugelegt habe?

Montag, 16. Juni 2014

Yvio – Tarascon

Leider hast du dein Ei verloren!


Die grüne Tarasce betrat einen großen Gewölbesaal des Tunnelsystems. Der ganze Boden war über und über mit Dracheneiern bedeckt. Unendlich behutsam nahm die Tarasce eins der Eier in ihre Pranken und trug es aus dem Saal hinaus. Sie wusste ganz genau, welchen Weg sie nehmen musste, um zu den Brutkammern zu gelangen.

Doch der Weg war nicht ohne Gefahren. Immer wieder erzitterte das Tunnelsystem, was den Weg beschwerlich machte.

Von den Räumen hielt sich das grüne Drachenwesen fern, doch konnte es nicht verhindern, dass sich ihm ein schwer gepanzerter Ritter auf der Suche nach Ruhm und Ehre in den Weg stellte. Mit wenigen, präzise kalkulierten Krallenhieben machte die Tarasce den Ritter kampfunfähig und setzte seinen Weg fort.

Nun lag sie vor ihr, die große Bruthöhle. Sie ging auf eins der weich gepolsterten, leeren Nester zu und wollte das Ei ablegen. Da glitt sie auf einer Bananenschale aus, die ein unaufmerksamer Bauerntölpel dort verloren hatte. Die mächtige Tarasce schlug der Länge nach hin.

Hinter einigen Stalagmiten sprangen plötzlich ein blauer, ein gelber und ein roter Drache hervor, die feixten: „Nänänänänänäähh, du hast dein Ei verloren! Duuh musst zurückgehn, duuh musst zurückgehn!“

Montag, 9. Juni 2014

20.000 Meilen unter dem Meer


❞So tief kann man gar nicht sinken!❝


20.0000 Meilen unter dem Meer? Die Nautilus, das von Verne erfundene, hundert Meter lange, silberglatte Unterseeboot taucht im Roman also 20.000 Meilen tief. Wie bitte? Auf unserem Planeten gibt’s keine Stelle im Meer, die tiefer als zwei bis sieben Meilen ist (kommt halt drauf an, welche „Meile“ gemeint ist). Nicht mal, wenn es durch den Planetenkern tauchen könnte, wie gewisse Film-U-Boote, käme man auf diese Strecke. Mann, hat mich das als Kind aufgeregt. Aber ich war schon damals gewohnt, dass Drehbuchautoren und Redakteure eine Galaxie nicht von einem Sonnensystem unterscheiden können und Lichtjahre oder Parsec für Zeiteinheiten halten, und so dachte ich mir nichts weiter dabei.

Der deutsche Titel von Jules Vernes „Vingt mille lieues sous les mers“ hieß vor Urzeiten tatsächlich mal absolut korrekt und wörtlich übersetzt auf deutschen Buchtiteln  20.000 Meilen unter den Meeren. Es ist also die Gesamtstrecke gemeint, die das U-Boot im untergetauchten Zustand in der Romanhandlung zurücklegt (80.000 Kilometer, kreuz und quer über alle Weltmeere). Auch den irreführenden, sicher von einem aus dieser fürchterlichen Lektoren-/Redakteursbrut glattgebügelten Titel KANN man so verstehen, jaja …

Wie auch immer, ich mag den Roman, ich mag die fast gruselig akkurate Beschreibung eines Atom-U-Boots und ich liebe die Nautilus aus dem Disney-Film – sie hat zwar mit Jules Vernes Idee nicht viel zu tun und ist technisch gesehen totaler Unfug (Verne hätte sich bestimmt geärgert), aber aus künstlerischer Sicht ein Geniestreich.

Das Spiel 20.0000 Meilen unter dem Meer orientiert sich sehr an der Romanhandlung und an der Buchversion des Bootes. Steht es aufgebaut auf dem Tisch, kann man nur staunen. Damit enden die positiven Aspekte aber leider auch schon.

Montag, 2. Juni 2014

Jenseits von Theben

❞Götter, Gräber und Geleerte❝


Geleerte Fundstätten natürlich. Denn wir sind Archäologen in der Anfangszeit dieser Wissenschaft Anfang des neunzehnten Jahrhunderts – als es noch Massen von Krempel in Nordafrika, Südeuropa und dem nahen Osten zu entdecken gab und als man sich noch herzlich wenig um akribische Dokumentation der Fundorte scherte.

Nein, es galt, die gold- und juwelenbesetzten Fundstücke auszubuddeln, möglichst schnell ausser Landes zu schmuggeln und sie in prestigeträchtigen Ausstellungen in Nordeuropa herumzuzeigen. 

Das ist genau die Art Spiel, die ich besonders mag. Relativ schnell erklärt, angenehme Spieldauer mit ein paar ungewöhnlichen Mechanismen, ein gewisser (manche sagen: zu hoher) Glücksanteil und eine Ausstattung, die zum Spielen reizt (manche sagen: "hoher Aufforderungscharakter").

Thematisch kommt Jenseits von Theben sogar auch noch einigermaßen hin. Die mühsame, ewig lange Suche nach archäologisch wertvollen Fundstücken wird im Spiel zwar umgesetzt, aber nicht wirklich fühlbar (was gut ist, denn wer will schon Jahrzehnte lang am Spieltisch auf „den“ großen Fund warten - reicht ja völlig, dass wir Spieler Jahrzehnte auf „das“ Gralsspiel bzw. den ultimativen Dungeoncrawler warten).

Montag, 26. Mai 2014

Bananagrams

❞Nehmen!❝


Ich glaube, ich habe das letzte Mal vor fast 25 Jahren Scrabble gespielt. Eine Partie mit Schwester und Eltern, die sehr lange dauerte und bei der irrwitzige Punktzahlen zusammenkamen. Dementsprechend lange hatte das Spiel auch gedauert und war in seiner alles entscheidenden Endphase, als unser frei im Wohnzimmer herumfliegender Wellensittich ebenfalls mittun wollte und exakt im Zentrum des (Standard)Scrabblebretts landete und laut kundtat, man solle sich doch auch einmal um ihn kümmern.

Der Luftzug bei der Landung hatte natürlich alle Buchstabensteine derart weggeblasen, dass an eine Rekonstruktion des Spielzustands nicht mehr zu denken war. Vor vier menschlichen inneren Augen saß da nicht ein aufgeweckter, fröhlicher blauer Geselle, sondern ein winziger, dampfender Geflügelbraten.

Zugegeben, mit Bananagrams hätte das auch passieren können, aber es die Partie wäre nicht notwendigerweise ruiniert gewesen.

Montag, 19. Mai 2014

Spielschachteltipps Teil 1

Gut verschlossen

Passt alles perfekt, bis man es auspackt …
Es tut mir in der Seele weh, bei Spielen irgendwelchen Krempel wegzuwerfen. Immerhin habe ich dafür bezahlt und immerhin ist in das Zeug ein nicht unerheblicher gestalterischer Wille eingeflossen. Die Ausnahme ist Risiko Evolution, da gehört das Wegwerfen zum Spiel.

Spiele mit Kartonteilen sind selten „ab Werk“ spielbar. Eine Ausnahme ist zum Beispiel Mage Knight, bei dem das Ausstanzen der Teile bereits für den Käufer erledigt ist. Ich finde das ja ein bisschen blöd, denn das Ausstanzen – in Spielerneudeutsch nicht so ganz zutreffend Auspöppeln genannt – gehört irgendwie dazu.

Yvio – Freibeuter der Karibik

❞Hh...blue Pearl!❝


Einmal ein Freibeuter in der Karibik sein. Hurra. Denkste. Man beginnt als ehrbarer Handelsschiff-Kapitän, der so aufregende Sachen wie Getreide und Holzlatten lädt und von einem Hafen zum anderen schippert. Dafür gibts Geld und man kann im Zielhafen neue Waren laden – Tabak oder Rum, wenn Holz und Getreide zu langweilig geworden sind. In manchen Häfen bieten einem die dortigen Händler an, den eigenen Seelenverkäufer mit mehr Segeln, mehr Kanonen, mehr Laderaum oder mehr Mannschaft allmählich zur unbesiegbaren und megaschnellen Kampfmaschine aufzurüsten. Dummerweise wissen die Kerle immer ziemlich genau, über wie viel Barschaft man gerade verfügt, und so ziehen sie einen ordentlich ab. Erst, wenn längere Zeit ein Hafen nicht mehr angesteuert wurde, werden die Händler nervös und bieten ihre Ausrüstung auch schon mal günstiger an und für die angelieferte Ware gibt’s dann auch mehr Geld.

Außerdem kommen Nebenaufgaben wie „dir wird für 100 Dukaten eine angeblich echte Schatzkarte angeboten, kaufst du sie?“ ins Spiel und die titelgebenden Freibeuter beginnen, Häfen zu belagern, … und jetzt wird das Spiel auf einmal hochinteressant …

Montag, 12. Mai 2014

Yvio: Die Technik


Brettspiele, die man nur mit einer teuren, eigens für die Spiele entwickelten Konsole spielen kann? Die an die 80 Euro kostet und an sich keinen Spielwert hat? Wo jedes Spiel erneut 30 bis 40 Euro kostet? Das kann doch nur floppen …
Ach, wenn doch jemand eine Konsole rausbringen würde, die sich um die fummelige Buchhaltung solcher Spiele wie Arkham Horror kümmern könnte - da würde ich sofort zuschlagen …

Auf einmal geht mir ein Licht auf. Ich werde eine solche Wunsch-Konsole nie bekommen, wenn ich Elektronik im Brettspiel links liegen lasse. Also hole ich tief Luft, greife noch tiefer in die Tasche und lege mir die Konsole sowie ein paar Spiele zu und mache kräftig Werbung für das System im Bekanntenkreis. Ich habe es nicht bereut, denn was ich an Spielstunden aus dem ganzen Yvio-Kram herausgeholt habe, steht in einem extrem guten Verhältnis zum Preis.   


Und was soll ich sagen? Yvio ist höllisch gefloppt, weitere Konsolen werden wohl nie kommen. Mein Einsatz war umsonst.

Montag, 28. April 2014

Dice Town

❞Der Sheriff ist korrupt.❝


Sheriffstern und Indianerwürfel stammen aus Erweiterungen,
also bitte keine Beschwerden an den Verlag!
Brettspiele mit Wild-West-Thema liegen in Deutschland wie Blei in den Regalen, heißt eine Einzelhändlererkenntnis. Das war tatsächlich schon immer so – trotz Karl May, trotz Western-Romanheftchenserien, trotz Jahrzehnten mit Scharen von Western-Kinogängern.

Auch Dice Town ist keine Ausnahme. Dessen Erstauflage verstaubte hier in den Regalen, während für den Rest Europas schon eine zweite Auflage nachgedruckt werden musste. Was weiß der Rest, was wir nicht wissen?

Montag, 21. April 2014

Android

❞Ihr wollt das wirklich spielen? Dann stellt euch mal auf 7 Stunden Spielzeit ein.❝


Ganz schön kaputt nach nur einer Partie
Android ist derzeit nicht erhältlich. Fantasy Flight Games ist jedoch der für Android geschaffenen Spielwelt treu geblieben, hat diverse Romane dazu veröffentlicht und auch die Neuauflage des hochgelobten Netrunner in diese Welt versetzt. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann eine (überarbeitete) Neuauflage dieses Brettspiels oder gar eine deutsche Version. Gespielt habe ich die US-amerikanische. 

Dieser Text wurde von mir in inhaltlich ein wenig abgewandelter Form bereits 2008 im Forum des Heidelberger Spieleverlags gepostet.


7 Stunden zu dritt? Ganz so schlimm war es dann doch nicht.

Nettospielzeit war 4 Stunden. 45 Minuten Aufbauzeit, plus etwa 1 Stunde Regelerklärung (und weitere Regeln "auf dem Weg").
Dank intensiver Regelvorarbeit war einer der Mitspieler eine fast immer sichere Bank bei auftauchenden Fragen - hätte man sich das ganze am Spielabend erarbeiten müssen, wären locker noch mal 2 Stunden dazu gekommen. Ewige Dankbarkeit ist ihm sicher.

Montag, 14. April 2014

It's Alive!

❞Es leeebt! Es leeeeebt!❝


Doch nicht mehr so lebendig – Cover der Erstauflage
Dieser Text wurde von mir in inhaltlich ein wenig anderer Form bereits 2008 auf der Website der SPIELBOX veröffentlicht. 

Der inzwischen wieder geschlossene Spielverlag Reiver Games war ein Ein-Mann-Unternehmen, das in seiner kurzen Existenz einige wenige Spiele herausgebracht hat. Darunter Yehuda Berlingers "Menorah"-Spiel, in dessen Prototyp die Spieler einen siebenarmigen Leuchter mit Kerzen bestücken müssen. Wow, was für ein unverbrauchtes Thema! Allerdings auch ein saulangweiliges.

Gut, dass Jackson Pope, der Verlagsinhaber, es in ein völlig neues Thema gekleidet hat.
Gegenstand war nun nicht mehr ein dröges, religiöses Symbol – nein, die Spieler wurden zu kleinen Frankensteins, die mit einem Labor (einem Sichtschirm) und einem Operationstisch (einer Ablagetafel) ausgestattet sind und Leben erschaffen wollen.

Montag, 7. April 2014

Ninja Galaxy

❞Auweia.❝


Stein-Thompson Games bestanden aus der deutschen Grafikerin Silke Stein und dem kanadischen Spieleerfinder und Experten im Erzeugen von Fremdscham Randy Thompson (nicht zu verwechseln mit dem Countrysänger). 

Der Verlag wurde vor allem durch sein Spiel Soccer Tactics bekannt, das eine ganz annehmbare und spaßige Fußball-Brettspielversion ist und sich recht gut weltweit verkaufte. Außerdem vertrieb man die Erstauflage des ziemlich guten kanadischen Partyspiels GIFT Trap in deutscher, leider etwas betulich übersetzter Version (dessen Neuauflagen, nun vom Heidelberger Spieleverlag vertrieben, sind deutlich besser).

Dann wollte man Ninja Galaxy herausbringen und fragte über die amerikanische Brettspielseite Boardgamegeek nach, wer Lust hätte, vorab eine Ausgabe des Spiels zu testen. Ich hatte, und postwendend kam das Spiel zu mir. Tolles Material, die schon aus Soccer Tactics bekannten, böse kuckenden, gelungenen Holzspielfiguren und verständliche, sauber layoutete Spielregeln. Klasse. Doch beim Regelstudium und einem ersten Spiel stellte sich heraus: eine reine Glücksorgie ohne echte Entscheidungen. Später schickte der Verlag noch ein Erweiterungsset, das angeblich mehr Taktik und Strategie ins Spiel bringen sollte. Es entpuppte sich aber lediglich als eine weitere Schicht aus Glückselementen. Für Kinder war das vielleicht ganz annehmbar, aber die Zielgruppe der anspruchsvolleren „Vielspieler“, die man erreichen wollte, sagte dem Verlag klipp und klar die Meinung. Nun begann das Drama.

Montag, 31. März 2014

Die Insel

❞Ich bin die Seherin!❝

Kurz nach der Jahrtausendwende drohten die Brettspiele elektronisch zu werden. König Artus hieß das erste Brettspiel, in das Tasten für die Interaktion mit dem in der Mitte des Spielplans liegenden Computer nach einem speziellen Verfahren aufgedruckt waren. Tolle Sache, wenn denn die eigene Haut die korrekte Leitfähigkeit aufwies. Es soll Leute gegeben haben, die sich die Finger angeknackst haben, weil das Drecksspiel ihre Eingaben nicht erkennen wollte. Außerdem litt König Artus an der Familienspielkrankheit – eine an sich gute Idee wurde so verwässert und vereinfacht, dass man nicht allzu viel Spaß damit hatte, wenn nicht gerade Halbwüchsige mitspielten.

Mit dem zweiten Versuch sollte alles besser werden. Die Erkennung von Fingerdrücken klappte gut (jedenfalls zunächst – nach einer Weile plagten technische Probleme das Spiel), die Sprecher – erneut absolute Profis – waren gut zu verstehen, die Herausforderung an die Spieler waren wesentlich höher als beim Vorgänger.

Montag, 24. März 2014

Star Wars - The Queen's Gambit

❞Noooooooooo!❝



Ein Spiel vom amerikanischen Spielehersteller-Giganten Hasbro breit in amerikanischen Supermärkten gestreut, das sich an Episode I der Star-Wars-Filme orientiert? Das dort weitgehend gefloppt ist – so wie der Film bei den Fans und Kritikern eher durchgefallen ist? Das es nie auf den deutschen Markt geschafft hat und wohl auch nie wieder aufgelegt werden wird?

Das soll was sein? Ja, soll es. Hunderte glühende Fans (des Spiels) können sich ja wohl nicht irren.

Montag, 17. März 2014

Das Motorsportspiel


❞Berührt, geführt❝


Die Schachuhr ist nicht
Teil des Lieferumfangs
 Ganz klar: wer die Dynamik eines Autorennens, sei es Formel 1 oder wie hier Tourenwagen-Rennen, möglichst naturgetreu auf den Tisch bringen will, der legt sich eine Carrera elektrische Rennautobahn zu.

Ein Brettspiel zerlegt die kontinuierliche Bewegung des Fahrzeugfelds zwangsläufig in kleine, rundenbasierte Häppchen, was bei einigen Vertretern dieser Gattung zu gähnender Langeweile führt (ich blicke auf dich, Formula De!).

Und genau so wäre auch Das Motorsportspiel, wenn seine Macher nicht diesen kleinen, altbekannten, aber immer wieder wirksamen Kniff in die Spielregel eingefügt hätten: Die Zeit für deinen Zug ist begrenzt (= sie darf nur 20 Sekunden dauern).

Montag, 10. März 2014

Das Große Rennen

❞Los, noch ’ne Partie Rudi Reifenstecher.


Ende der 80er in der Studenten-WG. Jeder Spielabend wurde mit einer Partie „Rudi“ beendet. Der Rotwein war da bereits reichlich geflossen (einmal wurde ein Glas sogar versehentlich über die Streckenanzeige gekippt) und ein völlig hirnloses Spiel als Abschluss kam da gerade recht.

Bei uns hieß das Spiel Rudi Reifenstecher, denn Rudi spielt bei Das große Rennen immer mit und ist der Gegner aller anderen Spieler. Sein Name ist ja auch viel einprägsamer als der eher dröge Spieltitel. Rudi ist eine violette Plastikkugel unter vielen anderen Plastikkugeln in einem reizlosen Roulettekessel und Rudi verdient, wie alle anderen Spielteilnehmer auch, Kohle in seiner eigens auf dem Spielplan angegebenen Privatschatulle und gewinnt Rennetappen. In seltenen Fällen so viele, dass er das Spiel sogar gewinnt.

Montag, 3. März 2014

Merchant of Venus

❞Melf Pelts, irgendjemand?❝


Hier geht es nicht um die kürzlich (2013) erschienene Neuausgabe des Spiels, dessen Gralsstatus dadurch einen Kratzer bekommen hat, sondern um das nur in englisch erhältliche Original von 1988.

Irgendwie sieht es schäbig aus, wenn man es mit Spielen vergleicht, die zeitgleich in Deutschland auf den Markt gekommen sind. Es stammt halt von einem Verlag, der ansonsten meistens Kriegsspielsimulationen herausbrachte, die selten aus mehr als einem Papierspielplan – manchmal auch aus fester Pappe – und winzigen, eher schlecht ausgestanzten, wenig ansprechenden Pappmarkern bestanden. Die Regelhefte, in schlichtem Schwarzweiß gedruckt, glichen Bedienungsanweisungen von Maschinenbauern, denen Kundenorientiertheit ein Graus ist, die aber Wert auf akribische Genauigkeit legen („Kapitel 2.3.1.5.6 a“).

Auch Merchant of Venus ist so ein Ungetüm, zwar mit bunt illustriertem, festem und großem Spielplan, der aber qualitativ wie künstlerisch so wirkt, als sei er 30 Jahre zuvor entstanden. Optik ist zwar wichtig für den ersten Einstieg, aber nach kurzer Zeit tritt sie zumindest bei mir völlig in den Hintergrund. Dann kommt es nur noch darauf an, ob sie den Spielfluss stört oder nicht. Ist Merchant of Venus denn ein gutes Spiel?

Ja, und ich finde es sogar großartig – auch nach heutigen Maßstäben noch.

Montag, 24. Februar 2014

Vampo


Die Zähne gewetzt und ihnen nach!❝

 Ja, schön wär’s, wenn Vampo an Polanskis „Tanz der Vampire“ erinnern würde. Für unbedarftere Naturen kommt vielleicht wirklich ein bisschen Spannung auf, wenn man mit zwei Würfeln würfelt, mit dem einem die Vampirfigur über die Felder mit Fledermaussymbol bewegt, mit dem anderen seine eigene Figur zieht, die vom Dorf aus ins Schloss marschieren und dort eine der dort in rauen Mengen festgehaltenen Prinzessinnen retten muss. Alle anderen sollten doch lieber die Finger davon lassen. 

Montag, 17. Februar 2014

S.P.I.V.S.

❞Ich fliege nach Filch ... ach nee, doch nicht.❝


Was für schöne Ideen hier in den Sand in den Sternenstaub gesetzt wurden.
Dabei klingt alles so gut: Jeder Spieler startet von einer Raumbasis am Spielfeldrand, mit dem Ziel, durch saugefährliche Weltraumbereiche fliegend diverse Planeten anzusteuern, auf denen es gilt, fremde Lebensformen einzufangen, um sie auf einer der Raumstationen teuer zu verkaufen. Dabei sind nicht nur die angedeuteten Gefahren des Alls ein Problem, sondern auch die Lebensformen selbst, denn sie haben Bedürfnisse oder Eigenheiten, die zu katastrophalen Kettenreaktionen in den Ladebuchten der Spieler-Raumschiffe führen können. Wie gesagt: das klingt großartig und erinnert an Hotel Life.

Montag, 10. Februar 2014

Super Gang

❞Schönen Laden ham Sie da, wär’ doch schade, wenn dem was passieren würde ...❝


Dieses Spiel um mafiös handelnde Erpresser- und Diebesbanden ist schon lange nicht mehr erhältlich und wird bis heute (2014) auf dem Gebrauchtmarkt hoch gehandelt. Zu Recht. Falls es nicht zu einem Plagiat kommt, wie bei einem gewissen anderen Spiel des Ludodelire-Verlags, der praktisch ausnahmslos Gralsspiele herausgebracht hat, wird man auch so schnell keine Neuauflage sehen: Die drei Rechteinhaber haben sich schon vor 20 Jahren hoffnungslos zerstritten – und alle Versuche, dort moderierend einzuschreiten oder das Thema überhaupt noch einmal anzuschneiden, werden brüsk abgeschmettert (ich weiß das aus eigener Erfahrung!).

Als das Spiel noch regulär im Handel zu bekommen war, habe ich bei einem kleinen, aber gut sortierten Spieleladen in Köln danach gefragt. Die Bedienung ließ durchblicken, dass sie es mir gerne verkaufen würde, aber ihr Chef da ganz eigene Ansichten hätte, warum es weder geführt, noch bestellt wird. Denn es handele sich um ein gewaltverherrlichendes Spiel, dem noch dazu eine echte Gummipfeilpistole beilag, und so etwas würde der Chef aus moralischen Gründen nicht führen. Dass im angrenzenden Nebenraum zentnerweise Fantasy-Rollenspielbücher mit axtschwingenden Orks auf dem Cover standen und ebenso Hundertschaften von Zinnminiaturen, die wenig friedliebend wirkten, war dagegen voll okay. Mit einer Pistole auf Gegner schießen, und seien diese auch bloß auf Pappziele gedruckt – nicht auszudenken, was das für Folgen haben könnte. Eine direkte Folge hatte es jedenfalls für den Laden, denn ich kaufte ab sofort nichts mehr dort (zumindest für die kommenden zwanzig Jahre). Und das, obwohl ich deren Rabattheftlein bis dahin schon ordentlich voll bekommen hatte.

Montag, 3. Februar 2014

Lost Valley of the Dinosaurs

❞Dino mit Lippenstift?

Eigentlich muss der rechte braune Tiefziehplastikteilberg
nach links (wir Deutschen mögen keine tollen
Dinosaurierabenteuergeschichtenschreiber haben, aber,
Teufel auch, lange Wortungetüme bilden, das können wir)
Dummerweise ist bei meiner Ausgabe dort der Spielplan
nicht entsprechend ausgestanzt. Ein Fehldruck.
Arthur Conan Doyle ist bei uns als Erfinder von Sherlock Holmes bekannt. Dass von ihm auch die oft verfilmte Fantasy-Geschichte The Lost World stammt, in der ein Trupp englischer Forscher und Abenteurer ein Hochplateau in Südamerika entdeckt, auf dem noch Urzeitwesen wie Dinosaurier existieren, weiß in Deutschland kaum einer. Tolle Story, die zwar schon über 100 Jahre auf dem Buckel hat, aber in vieler Hinsicht ausgesprochen moderne Züge trägt und schon oft, aber leider noch nie werkgetreu verfilmt wurde: Eine Liebesgeschichte kommt darin zum Beispiel nur als Rahmenhandlung vor, 1912 hatten Frauen auf Abenteuerexpeditionen eben noch nichts zu suchen. Dafür ist die Original-Rahmenhandlung äußerst amüsant und verstößt gegen gängige Erzählkonventionen. Als Die vergessene Welt kann man das Buch hierzulande auf Deutsch bekommen.

Ja, die Angelsachsen haben eine echte Tradition, spannende Dinosauriergeschichten zu erzählen. Bei der Brettspielumsetzung haben sie leider weitgehend gepatzt.

Montag, 27. Januar 2014

Can't Stop

❞Sieben geht ja immer.❝


Ein echter Klassiker, der alle Jahre wieder und von unterschiedlichen Verlagen aufgelegt wird, manchmal seltsam thematisch abgewandelt, aber für mich nur in der ursprünglichen Stoppschildform auf den Tisch kommen darf.

Der Autor Sid Sackson bringt bei Can’t Stop (für die 2,3 % der Leser, die des Englischen nicht so mächtig sind: es bedeutet „kann nicht aufhören“ und beschreibt präzise das Spielgefühl) die Wahrscheinlichkeiten beim Wurf von zwei normalen Würfeln auf den Punkt:

In der Theorie würde bei 36 Würfen mit zwei Sechsseitern je zwei ein Mal die 2 und die 12 fallen, je drei zwei Mal die 3 und die 11, je vier drei Mal die 4 und die 10 und so weiter, bis zur 7, die gleich sechs Mal fallen würde. In der Theorie.

Montag, 20. Januar 2014

Geister

❞Nein, nicht schon wieder!❝


Das ist meine Standard-Startaufstellung
(gelb gut, grün böse).
Wer also mal gegen mich spielen sollte ...
Die Grundzüge (hoho, Wortspiel) von Schach mit einem kleinen Twixt (misslungenes Wortspiel).

Alex Randolph hat Geister vor langer, langer Zeit erfunden, vor allem, um Kindern Schach näher zu bringen (das hat er in einigen anderen Spielen auch immer wieder gemacht). Und tatsächlich haben wir es mit einem 8 mal 8 Felder großen Spielplan zu tun, auf dem sich zu Beginn die 8 Geisterfiguren jedes Spielers gegenüberstehen, die wie der König im Schach ziehen und schlagen, jedoch nicht diagonal.

Von vorne sehen die Figuren ununterscheidbar aus (jedenfalls, wenn der Zahn der Zeit noch nicht an ihnen genagt hat), von hinten, also für den jeweiligen Besitzer sichtbar, haben sie einen kleinen Stöpsel im Rücken, der sie als guten oder als bösen Geist ausweist.

Montag, 13. Januar 2014

Arkham Horror

❞Fhtagn!❝

Da sein Aufbau gefühlte sechs Stunden dauert,
bin ich zu faul, es fürs Foto herzurichten.
Außerdem illustriert das Bild so besser meine
derzeitige Einstellung zu Arkham Horror.
Keine wirkliche Besprechung, mehr eine Leidensgeschichte.

Vielleicht sagt nicht jedem der amerikanische Schriftsteller H. P. Lovecraft etwas, aber bestimmte Details seiner erfundenen übernatürlichen Horrorgeschichten sind inzwischen derart in die allgemeine Kultur übergegangen, dass sicher jeder schon einmal mit Ideen aus seinem Werk konfrontiert wurde.

Er erzählt von den „Großen Alten“, einem urzeitlichen Übel, das jederzeit unsere Welt überfluten könnte und manchen, der danach forscht, in den Wahnsinn getrieben hat. Die Versatzstücke seiner Kurzgeschichten und Romane sind derart prägnant ausgearbeitet, dass es Leute geben soll, die sein fiktives Necronomicon, ein Buch über übernatürliche Kräfte, tatsächlich für ein existierendes Artefakt halten und weltweit danach suchen.

Es gibt auch Leser, die seinen Schreibstil für eine grauenhaft altbackene Adjektivsammlung und Seitenschinderei und damit für fast unlesbar halten, auch wenn sie die Ideen dahinter grandios finden. Einer davon sitzt hier vor der Tastatur.

Aus Lovecrafts Ideen entstand in den letzten 100 Jahren weitere Literatur, Filme, Comics und auch Spiele unterschiedlicher Qualität. Irgendwann in den 80ern brachte ein Verlag das Spiel Arkham Horror heraus, wo sich eine zunächst unerschrockene Heldengruppe gegen das mystische Böse stellt, das die fiktive Stadt Arkham in Neuengland zu überfluten droht. Seit über zehn Jahren gibt es eine überarbeitete Neuauflage von Fantasy Flight Games – und seit über 10 Jahren versuche ich erfolglos, das Spiel liebzugewinnen.

Montag, 6. Januar 2014

The Inventors

❞Das soll ein Gralsspiel sein?❝


Ja, eins von meinen ganz persönlichen. Ich hatte es als junger Mann in den USA entdeckt (und nie gespielt, weil a) die Mitspieler fehlten und b) mir klar war, dass das Spielprinzip nur mäßig interessant sein würde) und danach ein Vierteljahrhundert versucht, es hierzulande zu bekommen, denn es gibt meines Wissens lediglich die US-Ausgabe (in den USA kann man es für Centbeträge auf Flohmärkten kaufen).

Worum geht’s in dem Spiel? Das ist schnell erklärt, denn eigentlich ist es nur ein Monopoly-Klon: Man bewegt seine Spielfigur rund um ein Spielfeld mit Ereignisfeldern, kann dort auf Felder mit historisch belegten, aber reichlich blödsinnigen Erfindungen kommen, die man entweder kauft oder für die man Lizenzgebühren entrichten muss, falls sie bereits anderen Spielern gehören. Eigene Erfindungen kann man mit "patentierten Anrechtsclips" aufwerten oder auch wieder (mit Gewinn) verkaufen. Das Spiel endet, sobald alle Anrechtsclips aufgebraucht sind, und es gewinnt der reichste Spieler. Soweit, so bekannt und auch so langweilig.